Visitation - 7. Tag

Das Ende am Sonntag, dem 21. April 2013, samt Epilog

Bild des Benutzers Siegfried Bergler
Himmelfahrt - Glasfenster in der Zeller Kirche

Zell. Genau drei Wochen nach Ostern, am Sonntag Jubilate, 21. April 2013, findet die Visitation in der Matthäuskirche Zell ihr Ende. Nicht gerade brechend voll ist sie, aber Pfrin. Valerie Ebert-Schewe formuliert im Fürbittengebet korrekt, dass es nicht auf die gezählten Menschen ankommen dürfe, sondern dass der Mensch zählen müsse. Sie bedankt sich im Namen der Erschienenen beim Dekan „für die Aufmerksamkeit, die unseren Gemeinden zuteil wurde“, wobei sie natürlich auch die des Lauertals mit einschließt.

In seiner Predigt geht der Dekan sowohl auf das Evangelium des Tages vom wahren Weinstock Jesus, in dem zu bleiben Frucht bringe (Johannes 15,1-8), als auch resümierend auf die Visitation ein: Lauter „lebendige, engagierte Gemeinden“, die ihre Frucht brächten, habe er angetroffen und „kein einziges Kaff in dieser Woche gesehen“. Vielmehr seien hier Spuren Gottes und Menschenspuren zu finden; Gottes Wort artikuliere sich eben im Menschenwort.

„Dranbleiben am Wort Jesu“, lautet daher des Dekans pastoraler Schlussappell, denn Jesus gebe Gott ein Gesicht und eine Stimme. „Gott ist unwandelbar und beständig. Er bleibt bei uns, in uns, mit uns.“ Gott werde auch dafür sorgen, „dass wir bleiben, dass wir nicht untergehen“. Dies sei wahrlich ein Grund zum Jubilieren. Zudem werde er – der Dekan – sich dafür einsetzen, dass die Gemeinden selbstständig und die Stellen erhalten blieben.

Mit Interesse und auch einer gewissen Spannung verschaffen sich interessierte Gemeindeglieder nach dem Gottesdienst dank des körperlichen Einsatzes des Dekans Zutritt und einen Eindruck vom aktuellen Renovierungsstand des Fachwerkpfarrhauses, dem vermutlich ältesten evangelischen ganz Bayerns aus dem Jahr 1614. Der Architekt, Dipl.-Ing. (FH) Werner Stretz, führt persönlich durch die einzelnen Zimmer bis hinauf zum zweiten Dachboden. Bleibt nur zu wünschen, dass das seit 1995 nicht mehr genutzte Gebäude bald auch mit Leben erfüllt wird. Offiziell (neu) einweihen wird es Dekan Bruckmann am Sonntag, dem 9. Juni 2013.

Epilog

Ja, es war eine volle – mit den diplomatischen Worten des Dekans: „eine erfüllte“ – Woche mit vielen Begegnungen. Zum Teil ein Wechselbad: von der (Kinder-)Krippe bis zur Bahre, von der Schule in den Kuhstall, von Juden zur Jugend …

Zu Fuß wäre diese Visitation unmöglich gewesen, auch nicht mit dem geliebten Mountainbike des Dekans. Weite Autostrecken galt es zu bewältigen, um die 100 Kilometer pro Tag. Straßen und Landschaft wurden einem dabei richtig vertraut. Es war ein die Landkreisgrenzen immer wieder überschreitendes Erlebnis: Schweinfurt – Bad Kissingen, Grenzpendler mehrmals täglich.

Überall wurden „liebeswerte Lebensräume mit langer Geschichte“ angetroffen, in denen man gerne verweilte und zu denen man bestimmt wiederkommen wird. Die Besuchten haben sich große Mühe in der Vorbereitung, Präsentation und z.T. Bewirtung gegeben. Vor allem ist den beiden visitierten Pfarrern, Pfrin. Valerie Ebert-Schewe und Pfr. Dr. Wolfgang Weich, für die Gesamtorganisation zu danken. Ihnen sollte dafür auch etwas Gutes zuteil werden, vielleicht ein paar freie Tage, gute Visitationsnoten sowieso.

Die teilweise überschaubaren Besucherzahlen bei Gottesdiensten und diversen Veranstaltungen sollten nicht zum Beurteilungskriterium für die Lebendigkeit von Gemeinden erhoben werden. Denn Gott sei Dank steht bei Kirchens nicht (immer) die Ökonomie im Vordergrund; zur Verkündigung braucht’s eben kein BWL-Studium (obwohl dies manchmal auch nicht verkehrt wäre). Die Klage darüber, „dass nicht dein Haus will werden voll“ (EG 250,2; 1711 getextet!), ist kein Lauertal-Zellergrund-Spezifikum, sondern generell schon seit den Tagen der ersten Christenheit zu hören. Wie sagte doch der Dekan in seiner Zeller Predigt: „Die Gemeinden werden bleiben, in denen das Wort vom menschenfreundlichen Gott bezeugt und gelebt wird.“ That's all.

Und was kommt nach der Visitation? Bei Dekan Bruckmann darf man davon ausgehen, dass für ihn nach der Visitation vor der (nächsten) Visitation ist. Bestimmt hat er schon die eine oder andere Gemeinde für einen eingehenden Besuch fest im Blick. "Man" darf gespannt sein und sich derweil "warm anziehen".