Sozialzentrum Creche Bom Samaritano

 

 

 

"Erzieht Kinder und ihr werdet Menschen nicht mehr bestrafen müssen." (Pythagoras)

 

 


Das Sozialzentrum mit dem Kinderhort „Barmherziger Samariter“ wurde am 31. August 1979 gegründet als Folge und nach den Vorstellungen der Sozialarbeit der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien. Es wird getragen und steht unter der Aufsicht der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Rio de Janeiro. Es will durch kontinuierliche Erziehungsarbeit Kindern die Möglichkeit geben, einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Dazu betreut es 100 Kinder oder Familienangehörige aus den bedürftigen Favela-Gemeinden Cantgalo, Pavão, Klein-Pavão und aus anderen an das Stadtviertel Ipanema angrenzenden Vierteln, wo es liegt.
Die Mehrzahl der Kinder sind Kinder von Hausangestellten, Waschfrauen, von fliegenden Händlern ohne Wohnsitz, Menschen, die Müll sammeln, von Maurern, Hilfspersonal in Läden oder von denen, die ganz ohne feste Beschäftigung sind. Ein kleiner Teil der Kinder hat Eltern mit gehobener und besser bezahlter Tätigkeit wie Verkäufer, Lagerarbeiter oder Türsteher.
Alle leben in baufälligen Behausungen, Hütten, die sie mit Großeltern, Onkel oder Neffen teilen, mit zweifelhafter Wasserversorgung, ohne grundlegendste Hygiene. Ein Großteil der mageren Einkünfte muss für die Miete aufgebraucht werden.
Die Mehrheit dieser Familien gehört zu den aus den noch ärmeren Staaten des Nordostens Zugewanderten, die in Rio de Janeiro glaubten, ihr Leben verbessern zu können. Nicht wenige von ihnen schicken ihren im Nordosten zurückgebliebenen Familienangehörigen finanzielle Hilfe: den alten Eltern, kranken Geschwistern oder Kindern.
Kindern aus solchen sozialen Verhältnissen gilt unsere Arbeit. Sie will Zeichen sein und darüber hinaus Zugänge zu einem würdigeren Leben eröffnen. Ziel ist es, aus den benachteiligten Kindern Mitglieder der Gesellschaft zu machen. Wir wollen den Kindern geben, worauf ein jedes Kind ein Recht hat.


Gemäß dieser Vorstellung bieten wir solchen Kindern Betreuung  an von Montag bis Freitag, von 8 bis 17 Uhr. Sie sind in vier Gruppen altersmäßig auf die Räume des Hortes aufgeteilt. Der alltägliche Tagesablauf sieht so aus:
Erziehung: Die Kinder sollen kindgemäß, kreativ die Welt entdecken, in der sie leben, mit allen denkbaren Möglichkeiten und auch Konfliktsituationen. Sie werden für die Einschulung in der Grundschule vorbereitet.
Ernährung: vier Mahlzeiten am Tag. Eine Ernährungsfachkraft erarbeitet den Speiseplan.
Gesundheit: Ärztliche Untersuchung und Aufklärung durch einen Kinderarzt. Die Vorsorge sieht vor: Gewichtskontrolle, Stuhluntersuchung bes. auf Wurmbefall, Impfung und im Notfall Krankenhauseinweisung, zahnärztliche Behandlung durch regelmäßige Fluorzuführung und regelmäßige Kariesprävention.
Aufklärung in der Familie: Aufklärung über das, was wir erzieherisch bei den Kindern erreichen wollen. Wir bieten den Eltern Hilfe im Fall häuslicher Gewalt an; wir informieren über Verbraucherrecht, Recht des Arbeitsnehmers, gesunde Ernährung, Grundkenntnisse über Hygiene, Vorbeugung gegen falsche Ernährung, Geschlechtskrankheiten, Umweltschutz etc.


Am Jahresende verlassen ungefähr 25 Kinder den Hort, sicher mit Wehmut, und beginnen das erste Schuljahr in einer öffentlichen staatlichen Grundschule des Viertels.
Wir müssen 25 neue Kinder auswählen. Dies ist ein schwieriges und schmerzliches Prozedere. Rund 100 Kinder sind für die 25 Plätze vorgemerkt. Vorzug haben bei der Auswahl die ärmsten dieser Armen. In Wahrheit bedürften alle, welche den Kinderhort suchen, auch Hilfe, aber bedauerlicherweise lassen es die Mittel und der Raum nicht zu, mehr als 100 Kinder aufzunehmen.
Um die Arbeit aufrechtzuerhalten, brauchen wir 17 Angestellte, eine Direktorin, eine Kinderärztin, eine Zahnärztin, eine Ernährungsberaterin, eine Verwaltungsangestellte, vier Lehrerinnen, drei Hilfskräfte, eine Hilfe für alle Fälle, zwei Putzfrauen, zwei Küchenkräfte und die freiwillige Mithilfe des Gemeindepfarrers.
Wie alle Einrichtungen dieser Art leiden wir unter Mangel. Der Krippenplatz für ein Kind kostet monatlich 300 Reais. Bei der Deckung der Unkosten können wir auf die Hilfe von Organisationen und Freunden in Brasilien und aus dem Ausland zählen. Diesen danken wir für Solidarität und Großherzigkeit mit und gegenüber den Minderbemittelten unserer Gesellschaft, - den Kindern.  

     
Vilma Petsch    (Übersetzung aus dem Portugiesischen: Pfarrer Frank und Pfarrerin Dr. Strelow)