„Und wenn die ganze Welt zusammenfällt …“

Schweinfurt, 18. Juni 2008. Nach Rabbiner Dr. Henry Brandt/Augsburg im Jahr 2007 (LINK: https://www.schweinfurt-evangelisch.de/inhalt/blickwechsel-rueckblick) gelang es dem Evangelischen Bildungswerk auch 2008 wieder, einen namhaften Rabbiner nach Schweinfurt zu holen. Professor Jonathan Magonet stammt aus London und war dort bis 2005 Rektor des Leo-Baeck-College, der wohl weltweit bekanntesten liberalen Rabbiner-Universität. Zugleich ist er Vizepräsident der „World Union for Progressive Judaism“. Während dieses Sommersemesters hat er eine von der Evang.-luth. Landeskirche in Bayern ins Leben gerufene Gastprofessur an den Universitäten Würzburg und Augsburg inne. Gerade was den sog. „Trialog“, das Gespräch zwischen Christen, Juden und Muslimen anbelangt, gilt er als ausgewiesener Experte.

Zu diesem Thema zu sprechen, war er vor gut besuchtem Haus geladen: Worin liegen die Gemeinsamkeiten der drei monotheistischen Religionen und welche unüberbrückbaren Hindernisse auf dem Weg zum Weltfrieden werden bleiben? Zugegeben, seine Annäherung an diese Problematik war gewöhnungsbedürftig: Anhand von mehreren Ausschnitten aus amerikanischen und deutschen Musikfilmen versuchte er sowohl die Problematik als auch Lösungsmodelle aufzuzeigen. Zum Beispiel stellt das Judy-Garland-Musical „The Wizzard of Oz“ („Der Zauberer von Oz“) drei Figuren vor, die nur gemeinsam stark sein können, weil jeder etwas fehlt, das aber die anderen beiden besitzen: So geht der Vogelscheuche der Verstand ab, der Blechmann hat kein Herz, und der Löwe ist feige. Auch „Die drei von der Tankstelle“ mit dem Evergreen „Ein Freund, ein guter Freund“ bemühte Professor Magonet, um die Notwendigkeit des Zusammenhaltens der drei Religionen zu betonen, selbst „wenn die ganze Welt zusammenfällt“, wie (fast) am 11. September geschehen.
Sodann schilderte Rabbiner Magonet seine persönlichen Erfahrungen im interreligiösen Dialog, den er seit 35 Jahren pflegt: Wie etwa die verschiedenen Speisevorschriften der drei Religionen oder ihre unterschiedlichen Gebetszeiten zum Hauptthema von Tagungen wurden. Immer wieder betonte er, dass es gelebte, ganz konkret-praktische Begegnungen geben müsse, um Angst und Vorurteile gegenüber den anderen abzubauen und sich füreinander zu sensibilisieren. Ziel seien die Treffen selbst und nicht etwaige dort verfasste Resolutionen. Das unstrittig Gemeinsame der drei Religionen liege in ihrem starken sozialen Gefühl, was z. B. die Einhaltung der Menschenrechte anbelange; nur würden sie es jeweils anders interpretieren und auf unterschiedliche Weise leben.
Fazit: Auch Professor Magonet konnte die Thematik nur anreißen - dies zwar mit unüberhörbar rabbinischem Witz und britischem Humor -, aber keine tiefer gehenden Lösungen präsentieren.

 

   
     Typischer Professor: Rabbiner Jonathan Magonet      Gelehrtendiskussion: Prof Magonet mit Pfr. R. Kern / Niederwerrn