Gottes Zollstock

Installation von Pfarrerin Corinna Bandorf

Die neue Pfarrerin: Corinna Bandorf

Obbach, So., 19. März 2017. Die Pfarrerin hatte selber in fränkischer Reimform zu ihrem großen Tag eingeladen: „Am Sonntag, den 19. März ist es so weit, da kumma (kommen) se alle – vo (von) naoh (nah) und weit.  Und wenn SIE a kumma, frait (freut) se sich sehr. Denn das wär für sie ne große Ehr."

Und sie kamen tatsächlich zu Corinna Bandorfs Installation: Gemeindeglieder, Vereine, VertreterInnen der Kommune und Nachbarkirchen, Verwandte, Freunde, Pfarrkolleginnen und -kollegen, natürlich auch „die Frühaufsteher aus Gefrees“ - so der bisherige Vakanzvertreter Pfr. Johannes Jurkat in seiner Begrüßung im vollen Gotteshaus. Flötenkreis, Posaunenchor, Ökumenischer Chor, Orgel – auch musikalisch wurde in diesem Gottesdienst wirklich alles aufgeboten.

Immerhin darf sie nun fünfzehn Dörfer betreuen. Da versteht man schon, dass es über ein Jahr dauerte, bis sich nach Pfarrerin Tabea Richters Abschied (am 24. Jan. 2016, s. LINK: https://www.schweinfurt-evangelisch.de/inhalt/sechseinhalb-jahre-selbst-...) eine Nachfolgerin fand. Nicht zuletzt gab für Obbach der Heimat-Bonus der Pfarrerin den Ausschlag. Sie kehrte bewusst nach fünf Dienstjahren aus Gefrees im oberfränkischen Fichtelgebirge in die Nähe ihres unterfränkischen Geburtsortes Sennfeld zurück.

„Schön, dass Sie da sind“, war denn auch Dekan Oliver Bruckmanns erstes offizielles Wort an sie vor dem Einzug in die Kirche, wohin sie einige ihrer neuen Kolleginnen und Kollegen begleiteten. „Vom Patron präsentiert und vom Landeskirchenrat ernannt, wurde ihr mit Wirkung vom 1. März 2017 die Pfarrstelle Obbach übertragen“: Korrekt formulierte es der Dekan in seiner Rede zur Installation der Pfarrerin. Luther habe klar gemacht: Wir sind eine Kirche des Wortes. Dieses müsse gepredigt und gehört werden. Im Wort der Heiligen Schrift lasse sich Christus finden, und daraus erwachse Glaube. Das Wort sei „liebevoll, treu weiterzugeben“ und in gegenseitiger Begegnung vorzuleben.

Vor allem Theologen hätten den öffentlichen Auftrag zur Wortverkündigung. Lobend an Frau Bandorf gewandt: Sie habe sich intensiv im Studium mit dem Wort befasst und bringe zudem praktische Gemeindeerfahrung aus ihrer Gefreeser Zeit mit. Des Dekans formelle Frage nach ihrer Bereitschaft, den Dienst einer Pfarrerin in der Kirchengemeinde Obbach zu übernehmen, bejahte sie – natürlich. Unter Assistenz ihres Vaters, zweier Kirchenvorsteherinnen aus Gefrees und zweier aus Obbach segnete er sie für diese neue Aufgabe.

Pfrin. Bandorf hielt eine ansprechende, lebendige Predigt. Zunächst erzählte sie, wie ihr auf dem Weg zur ersten Pfarrhausbesichtigung auf einmal einfiel, dass sie keinen Zollstock dabei hatte und sie deshalb in einem Baumarkt einen kaufen wollte, dort aber zu ihrer Überraschung einen geschenkt bekam. Dann der Transfer auf unser Leben: dass wir immer wieder Maß nehmen, gerne vergleichen, Altes mit Neuem bemessen, feste Vorstellungen vom richtigen Maß für uns selbst haben und meinen, bis ins Alter Leistung bringen zu müssen. „So sind wir. Wir legen den Zollstock an uns.“ Nur was dann, wenn das Maß auf einmal nicht mehr stimmt, wenn Altes und Neues nicht mehr zusammenpassen, wenn uns sog. Schicksalsschläge treffen?

Laut Bibel sieht bekanntlich ein Mensch nur das, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an (1. Sam 16,7). Daraus folgerte die Pfarrerin: Gott bzw. Jesus lege einen anderen Zollstock an, nehme anders Maß, denn er schaue nicht nach unseren geraden Wänden und bemesse uns nicht nach unserem Können. Gottes Zollstock sei nämlich ein Kreuz. Dazu zeigte Frau Bandorf einen zum Kreuz gefalteten Zollstock. Gottes Maß sei seine bedingungslose Liebe zu uns, die wir uns nur schenken lassen könnten. „Seine Liebe ist maßlos. Wir müssen nicht perfekt, sondern dürfen auch schwach sein.“ Die Pfarrerin bekannte, selbst schon in vielen Kleinigkeiten ihres Lebens die maßlose Liebe Gottes erfahren zu haben. Und dazu gehörte sicher auch diese neue Pfarrstelle.

Die Grußwortriege führte Professor Dr. Andreas Schäfer an. Im Namen der Patronatsfamilie Schäfer bedankte er sich zunächst bei allen, die während der Vakanzzeit das Gemeindeleben aufrechterhielten. Dann an Frau Bandorf gewandt: „Nun aber hat das Schiff wieder eine Führung bekommen.“ Er habe sie als eine engagierte, kompetente, herzenswarme Seelsorgerin kennengelernt: „Mögen Sie mit Ihrem Anker der Gemeinde Halt und Geborgenheit geben.“

Von den katholischen Nachbarn überbrachte Julia Butz, Gemeindereferentin der Pfarreiengemeinschaft St. Martin im Oberen Werntal, alle guten Wünsche und einen Gutschein.

Senior Pfarrer Dr. Wolfgang Weich begrüßte die Neue im Namen des Vereinigten Pfarrkapitels und überreichte ihr eine Chipkarte mit den Konterfeis ihrer 40 Dekanatskolleginnen und -kollegen samt Lupe.

Landessynodale Renate Käser wartete mit dem Geschenk einer Luther-Tüten-(Buchstaben-)Suppe „Sola scriptura“ auf und wünschte Frau Bandorf, dass sie „gut, gerne und wohlbehalten ihren Dienst tun“ möge.

Arthur Arnold, Erster Bürgermeister der Gemeinde Euerbach, zeigte sich ebenfalls hocherfreut, überbrachte ein herzliches Willkommen und bot die Zusammenarbeit mit der kommunalen Politik an.

Auch die Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes Elisabeth Baum wartete mit Vorschusslorbeeren auf. Sie zitierte den für Gefrees zuständigen Dekan Thomas Guba (Bad Berneck), der bei der Verabschiedung von Frau Bandorf prophezeit hatte: „Auf diese Pfarrerin können Sie sich freuen.“

Und eben diese bedankte sich abschließend – wieder – in Gedichtform für alle ihr widerfahrenen Erlebnisse und Ereignisse der letzten Wochen in der neuen Gemeinde. Sie freue sich über viele helfende Hände. „Allein können wir wohl nichts erreichen.“ Beim Empfang im Gemeindehaus durfte sie immerhin schon mal viele Hände schütteln.

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Der Senior des Pfarrkapitels, Pfr. Dr. Wolfgang Weich, hat die Neue - wie folgt - vorgestellt:

"Seit dem 1.3.2017 hat Obbach wieder eine Pfarrerin: Corinna Bandorf. Sie stammt aus Sennfeld. Von ihrem Konfirmator Pfarrer Thomas Mangold hat sie auf die Frage, wie das mit dem Glauben denn gehen könne, die aufmunternde Antwort bekommen: „Bleib dran!“ Corinna Bandorf ist dran geblieben. Sie engagierte sich als Jugendliche in der Gemeinde, erlebte Kirchen-Events wie die Kirchentage, entdeckte, wie andere Menschen ihren Glauben leben, beschloss Theologie zu studieren. Sie machte nach dem Abitur ein Gemeindepraktikum in ihrer Heimatgemeinde und studierte dann in Neuendettelsau, Marburg und München. Nach ihrem Vikariat in Nürnberg wurde Corinna Bandorf Pfarrerin in Gefrees im Fichtelgebirge im Dekanat Bad Berneck. Fünf Jahre hat sie dort in Gemeinde und Schule Evangelium verkündet und Seelsorge geleistet.

In ihrem Vorstellungsgedicht für Obbach im Gemeindebrief konnte Frau Bandorf feststellen: 'Die Arbeit als Pfarrerin macht sie sehr gern …, denn die Menschen liegen ihr am Herzen, die Freude am Glauben will sie in den Menschen entfachen. … Gott schenkt ihr dazu immer wieder die Kraft.'

Jetzt freut sich Pfarrerin Bandorf, in die unterfränkische Heimat zurückzukommen, um in Obbach zu wohnen und Dienst zu tun. Am 19.3. ist die Einführung in der Obbacher Kirche. Wir wünschen ihr alle viel Glück und Segen."

(Perspektiven, Nr. 120, April-Juli 2017)

 

Und hier ein Pressebericht von ihrer Verabschiedung in Gefrees am 22. Januar 2017, wo sie seit dem 1. März 2012 zunächst als Pfarrerin z.A. die vakante zweite Pfarrstelle innehatte und dann am 17. Januar 2016 als Pfarrerin installiert wurde:

Pfarrerin nimmt nach fünf Jahren Abschied
Vor fast fünf Jahren hat Corinna Bandorf die zweite Pfarrstelle in Gefrees angetreten, damals als Pfarrerin zur Anstellung. Zwischenzeitlich ist sie als Pfarrerin verbeamtet. Doch nun kehrt sie zurück nach Unterfranken, in die Gemeinde Obbach im Landkreis Schweinfurt. Damit wird sie künftig in der Nähe ihrer Heimat Sennfeld tätig, denn die liegt gerade einmal 15 Kilometer von ihrer neuen Gemeinde entfernt.

„Gefrees, da muss man gewesen sein“, sagte die Geistliche in ihrem Abschiedsgottesdienst Ende Januar in der Sankt-Johannis-Kirche. „Erfolge, Begegnungen und viele schöne Erinnerungen“ werde sie mitnehmen. Dekan Thomas Guba ergänzte, dass der Abschied „die letzte Personalie“ des alten Dekanats Bad Berneck sei. „Ich hatte den Eindruck, dass Sie vom ersten Tag an angekommen sind“, meinte Bürgermeister Harald Schlegel beim Empfang im „Haus des Gastes“. „Ich freue mich für Sie, dass Sie in Ihre alte Heimat zurückgehen. Wir wussten, dass die zweite Pfarrstelle nur auf Zeit besetzt wird – nun wurden es fünf Jahre.“

Ob sie nach fünf Jahren Gefrees eher mit einem lachenden oder einem weinenden Auge geht? „Ich gehe mit beidem“, sagt die Pfarrerin und schaut auch gleich nach vorne: „Ich freue mich auf die neue Herausforderung und eine engagierte Gemeinde.“ Gefrees wird ihr indes auf jeden Fall auch positiv in Erinnerung bleiben. „Ich lasse hier auch viel zurück – vor allem viele Freunde, die mir in den vergangenen fünf Jahren wichtig geworden sind“, sagt Bandorf. Gleich bei Amtsantritt hatte sie angekündigt, neuen Gottesdienstformen gegenüber aufgeschlossen zu sein. Und mit viel Schwung ging sie ihre Aufgabe an, initiierte so einiges neu. Kreative Gottesdienste und Kasualien zu feiern – das war ihr wichtig. Besonders am Herzen lag ihr eine Neustrukturierung des Kindergottesdienstes. „Und damit hatte ich viel Erfolg“, freut sie sich. Inzwischen gibt es nur noch einmal pro Monat Kindergottesdienste, dafür stets einen ganzen Samstagvormittag lang: Mit Schwerpunkt auf einer kreativen Pädagogik mit christlichen Inhalten und Werten – und Spielen und Spaß. Seitdem kommen regelmäßig zwischen zehn und 25 Kinder“, sagt Bandorf.

Gefrees wird ihr vor allem auch durch die herzlichen Menschen, die ihr sehr ans Herz gewachsen sind, in Erinnerung bleiben. Und sicher auch durch das Wiesenfest: „Hier kommt nicht nur ganz Gefrees zur fünften Jahreszeit zusammen, sondern auch Menschen aus nah und fern, die Gefrees über Jahre verbunden sind. Vielleicht werden sie mich dort auch wieder einmal treffen“, stellt sie in Aussicht. „Da Gefrees meine erste Pfarrstelle war, wusste ich, dass ich nicht ewig hier bleiben werde“, hatte sie die Gepflogenheiten in der evangelischen Landeskirche, die regelmäßige Amtswechsel ihrer Seelsorger gerne sieht, immer im Blick. Dass es nun doch relativ schnell ging, liegt an einer Chance, die sie nicht verstreichen lassen konnte. „Als mir Dekan Oliver Bruckmann aus Schweinfurt die Stelle in Obbach anbot, habe ich das Angebot angenommen und mich offiziell beworben. Es ist meine Heimat. Meine Familie und alte Freunde wohnen dort“, bekennt sie freimütig. [...]

(aus: Amtliches Mitteilungsblatt der Stadt Gefrees, 41. Jg., 7. Febr. 2017, S. 1)