Die Schweinfurter Dekanatssynode beschäftigte sich mit neuen Perspektiven für die Zukunft

Schweinfurt. Im neu renovierten Martin-Luther-Saal trafen sich die Delegierten aus allen 27 Kirchengemeinden des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Schweinfurt zur Frühjahrssitzung der Dekanatssynode. Angesichts großer Veränderungen in Kirche und Gesellschaft stand dabei auch ein inhaltlicher Impuls auf dem Programm.
Der Referent Dr. Steffen Schramm, Leiter des Instituts für kirchliche Fortbildung der Evangelischen Kirche der Pfalz, begann mit einer überraschenden Beobachtung: Das Bild der klassischen Kirchengemeinde mit Pfarrhaus, Gemeindeleben und zahlreichen Angeboten für verschiedene Gruppen entstand erst um das Jahr 1900. Damals wuchsen Bevölkerung und Kirchenmitgliedschaft stark. Neue Gemeindehäuser und Strukturen wurden notwendig.
In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden dann vielerorts neue Kirchen, Gemeindehäuser und Pfarrhäuser. „Für die damalige Situation war das eine nachvollziehbare Entwicklung“, so Schramm. Heute jedoch stünden viele Gemeinden vor der Herausforderung, diese Strukturen mit deutlich weniger Mitgliedern und Mitarbeitenden aufrechtzuerhalten.
Hinzu komme: Die Gesellschaft, für die dieses Modell entwickelt wurde, habe sich stark verändert. Statt einfach Angebote zu reduzieren, brauche es deshalb ein neues Verständnis von Kirche. Schramm sprach von einem Weg „von der Volkskirche zur Sinnkirche“ – einer Kirche, die als „Wort- und Wirkgemeinschaft“ mitten im Leben der Menschen steht.
Der Blick müsse sich stärker auf das Umfeld richten: Wer lebt hier? Was beschäftigt die Menschen? Und wo kann Kirche konkret etwas zum Leben vor Ort beitragen? Entscheidend sei nicht mehr die Frage, welche Angebote Menschen erreichen könnten, sondern: „Was für eine Kirche wird hier gebraucht?“
Als Beispiel nannte Schramm unter anderem eine wöchentliche Mittagstafel im pfälzischen Hassel, bei der Menschen gemeinsam essen und der Einsamkeit entgegenwirken. Auch in anderen Regionen gebe es Projekte, die zeigen, wie Kirche neue Wege gehen und sich stärker mit dem Leben vor Ort vernetzen kann.
Mut machte der Referent auch mit einem biblischen Bild: Schon Abram sei einst ins Ungewisse aufgebrochen – und habe gerade darin Gottes Weg entdeckt.
Die Synodalinnen und Synodalen diskutierten im Anschluss intensiv über die Impulse. Denn auch im Dekanat Schweinfurt stehen wichtige Entscheidungen an, etwa im Blick auf zukünftige Strukturen und Gebäude.
Eine zentrale Erkenntnis aus dem Vortrag: Die Form von Gemeinde, die viele heute kennen, war nicht immer selbstverständlich. Und sie wird sich auch in Zukunft weiter verändern. Diesen Prozess will die Dekanatssynode in den kommenden Jahren bewusst begleiten und gestalten.













