Ganz alltägliche Versuchungen

Ökumenischer Gottesdienst am Frauensonntag in St. Salvator

Persönliche, alltägliche Versuchungen werden in der symbolischen Sandwüste "entsorgt".

Schweinfurt, So., 11. März 2018. Der zentrale Gottesdienst im Rahmen der 26. Schweinfurter Frauenwochen fand – ökumenisch gestaltet – wie in jedem Jahr in der St. Salvatorkirche statt. Er fiel diesmal mit dem Frauensonntag der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zusammen, der zum 13. Mal am Sonntag Laetare ("Freut euch"), mitten in der Passions- oder Fastenzeit gelegen, begangen wurde. Von katholischer Seite wirkte Gemeindereferentin und Ehe-/Familienseelsorgerin Birgit Kestler mit. Die evangelische Pfarrerin Gisela Bruckmann nannte den aus der besinnlichen, eher traurigen Passionszeit herausfallenden Sonntag einen „Rastpunkt Jesu in dieser Welt“, weil er schon den Blick vom Karfreitag hin auf Ostern lenke.

Das Frauenvorbereitungsteam hatte ein schwieriges Thema gewählt: „Versuchung“: Gerade in der Fastenzeit, wo man auf so vieles verzichte, sei die Versuchung umso größer, etwa der Griff zur „zartesten Versuchung, seit es Schokolade gibt“, führte Brigitte Buhlheller, Sprecherin der evangelischen Dekanatsfrauenbeauftragten, aus. Laut Wikipedia sei Versuchung der Anreiz oder die Verleitung zu einer Handlung, die zwar reizvoll erscheine, jedoch unzweckmäßig sei und deshalb Reue und Schuldgefühle auslösen könne. Christen würden dies Sünde nennen. Buhlheller erinnerte an Versuchungsgeschichten der Bibel, – so an den Sündenfall von Adam und Eva oder an Jesu Rückzug für vierzig Fastentage in die Einsamkeit der Wüste.

Die Erzählung von dessen dortiger Versuchung durch den Teufel (Lukas 4,1-13) lag denn auch der Dialogpredigt zwischen Pfarrerin Bruckmann und Gemeindereferentin Kestler zugrunde: Es sei deswegen eine „starke Geschichte“, weil Jesus zu allen Verlockungen des Teufels Nein sage: „Jesus spielt nicht mit“, auch wenn ihm darum keiner seine Macht glaube. Denn er wolle nicht Bewunderung, sondern innere Überzeugung stiften. Immer gehe es Jesus um Gottes Botschaft und Ehre.

Auch heutzutage sei es eine Versuchung, möglichst groß herauskommen zu wollen, doch dabei nur sein eigenes Schäfchen ins Trockene zu bringen und andere im Regen stehen zu lassen, beispielsweise Flüchtlinge, alte Menschen oder die bedürftige Familie nebenan. Es gehöre viel Mut dazu, dieser Versuchung nicht nachzugeben, über die Not anderer hinwegzusehen. Vielmehr habe es um Gemeinschaft mit gegenseitiger Achtung, Respekt und Wertschätzung zu gehen.

Als Vorbild führten die Predigerinnen Elisabeth Schmitz an. Diese Lehrerin und Theologin habe in einer Zeit, in der Frauen noch nichts in der Kirche zu sagen hatten, nach Hitlers Machtübernahme, eindringliche Appelle an die Bekennende Kirche, namentlich an Professor Karl Barth, gerichtet, etwas gegen die Verfolgung der jüdischen Mitbürger zu unternehmen, was dieser aber leider nicht tat. Schmitz habe – wie Jesus – konsequent Nein gesagt. Die 1977 einsam Verstorbene wurde 2011 von der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem posthum als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet.

Eine weitere Versuchung besteht laut beiden Predigerinnen darin, sich selber viel Druck zu machen, weil es einem schwerfalle, etwas aus der Hand zu geben. Überall wolle man mitmachen und sich über die eigene Leistung definieren. Aber wir alle seien doch Menschen, die Gott am Herzen liegen und von ihm wertgeschätzt würden.

Anschließend durfte die ökumenische Gemeinde aktiv werden und auf einer Bildkarte – mit Rückenansicht einer einzelnen Frau mitten in der Wüste – notieren, welchen Versuchungen jede und jeder persönlich begegne. Die Karten wurden in mit Sand gefüllte Schalen, sozusagen in eine symbolische Wüste, vor dem Altar gelegt.

Nach dem Gottesdienst konnte man beim Kirchenkaffee miteinander ins Gespräch kommen und dazu ballast- und mineralstoffreiches „Wüstenbrot“ essen.