Das Evang- Luth. Dekanat Schweinfurt lud wieder zum zentralen Festgottesdienst

Schweinfurt. Schon die ersten Orgeltöne in der voll besetzten St. Johanniskirche ließen erahnen, dass dieser Gottesdienst etwas Besonderes werden würde: Der international bekannte Konzertorganist Konstantin Volostnov, seit wenigen Tagen auch Organist an St. Johannis, beeindruckte mit einer virtuosen Bach-Fantasie über „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“. Dabei ließ er die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten der Orgel eindrucksvoll zur Geltung kommen.
Dekan Oliver Bruckmann begrüßte die Gottesdienst-Gemeinde und die zahlreichen geladenen Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kirche. „Sich an den Tisch des anderen setzen“ lautete das Motto des Gottesdienstes. Ganz in diesem Sinne begrüßte Bruckmann auch den katholischen Priester Prof. Dr. Martin Ebner, der bis zu seinem Ruhestand unter anderem in Mainz und Bonn Neues Testament gelehrt hatte. Mittlerweile wohne dieser sogar näher an der evangelischen Kirche als er selbst, bemerkte Bruckmann mit einem Augenzwinkern.
Selbstverständlich gebe es Unterschiede zwischen den Konfessionen, aber „die Einheit wächst, wo wir einander begegnen und gemeinsam von Christus Zeugnis geben“
Für einen weiteren musikalischen Höhepunkt sorgte der Evangelische Posaunenchor mit einer doppelchörigen Madrigal von Hans Leo Hassler (1564–1612). Der Wechsel der beiden Klanggruppen verlieh dem Stück eine besondere Lebendigkeit. Vor der Predigt war erneut Konstantin Volostnov an der Orgel zu hören. Seine Fantasie von Johannes Matthias Michel (*1962) über „Ein feste Burg ist unser Gott“ spannte einen weiten Klangbogen: von feinsten, beinahe zarten Tönen bis hin zu kraftvollen Passagen, die den Kirchenraum erfüllten.
Prof. Dr. Martin Ebner begann seine Predigt mit einer augenzwinkernden Sammlung vermeintlich eindeutiger Unterscheidungsmerkmale: Wer sich bekreuzigt, ist katholisch. Dauert eine Predigt 20 Minuten, handelt es sich um einen evangelischen Gottesdienst – es sei denn, ein Bischof predigt. Auch in der Politik und beim Essen gebe es klare Trennlinien: Ein CSU-Mitglied gehe schließlich nicht in die Ecke, in der sich die SPD treffe, und ein Veganer meide nach Möglichkeit fränkische Brotzeitwirtschaften.
Sich abzusetzen, klare Kante zu zeigen: Das sei durchaus wichtig für die eigene Identität, so Ebner. Aber: „Wage ich den Schritt zu den anderen? Soll ich mich absetzen oder dazusetzen, ohne dann steuern zu können, was passiert?“
Ebner bezog sich auf Galater 2, 11-16, den sogenannten „Zwischenfall in Antiochia“. Dort ging es um die Begegnung von Judenchristen und Menschen, die aus anderen Religionen zum Christentum gekommen waren. Besonders beim gemeinsamen Essen zeigten sich die Unterschiede: Für jüdisch geprägte Christinnen und Christen war es eine große Herausforderung, Schweinefleisch und andere nach jüdischen Speisevorschriften unreine Lebensmittel zu essen.
In Antiochia aber praktizierten sie genau das. „Man trifft sich mal im jüdischen, mal im heidnischen Haus und isst das, was auf den Tisch kommt.“ Da treffen Welten aufeinander, so Ebner, doch genau das sei der „neue Bund“: So stelle Gott sich vor, dass seine Menschen miteinander umgehen. Auch Petrus hatte da „ziemlich unbekümmert mitgemacht“.
Doch dann waren die „Jakobusleute“ aus Jerusalem, die „Fraktion der Hundertprozentigen“, und die Judenchristen sonderten sich aus Angst vor Kritik von den Heidenchristen ab. Paulus widersprach diesem Verhalten entschieden: „Ihr verlasst die geraden Wege des Herrn!“
Paulus lasse hier keinen Kompromiss zu, so Ebner. Denn genau darum gehe es: Menschen, die sich im Alltag normalerweise meiden, werden Gast am Tisch der anderen und es entsteht langsam das, was wir Christentum nennen.
Dieses gegenseitige Verstehen-Wollen, das brauche es sowohl innerhalb der Kirche als auch in der Gesellschaft. Eben, weil wir nicht immer bereit seien, uns an den Tisch der anderen zu setzen. Ein Beispiel seien die Friedensgebete in der St. Johanniskirche in Corona-Zeiten gewesen, als draußen auf dem Marktplatz die Proteste laut waren. Er selbst sei hellauf begeistert gewesen von den Gebeten. „Allerdings: Wir waren immer unter uns. Warum klappt das mit dem Austausch nicht? Paulus hätte gesagt: Ihr habt euch nicht an den Tisch der anderen gesetzt!“
Wenn wir versuchen, den anderen zu verstehen – dann passiert etwas, so Ebner zum Schluss seiner Predigt.
Am Ende des Gottesdienstes war dieses Aufeinander-Zugehen auch musikalisch hörbar: Posaunenchor und Orgel musizierten von den beiden Enden der Kirche aus gemeinsam Georg Friedrich Händels „Einzug der Königin von Saba“. Die unterschiedlichen Klangkörper fanden dabei zu einem eindrucksvollen gemeinsamen Klang.
Posaunenchor und Orgel musizierten von den beiden Enden der Kirche aus gemeinsam Georg Friedrich Händels „Einzug der Königin von Saba“. Die unterschiedlichen Klangkörper fanden dabei zu einem eindrucksvollen gemeinsamen Klang.
Anschließend warteten im hinteren Teil der Kirche bereits gedeckte Tische auf alle, die noch bleiben wollten – egal, von welcher Partei, von welcher Konfession. Viele nutzten die Gelegenheit und blieben noch lange, um miteinander ins Gespräch zu kommen. So wurde das Motto des Gottesdienstes auch nach dem letzten Ton ganz praktisch erlebbar.



























