Der Landesbischof in Schweinfurt

anlässlich des Jubiläums "50 Jahre Christuskirche"

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm in Schweinfurt

Schweinfurt. 6. Juli 2014. Vor 50 Jahren - 1964 - wurde der Grundstein der Christuskirche an der Maibacher Höhe gelegt, exakt am 13. Juni. Auf dem Gründungsstein steht zu lesen: 1964, 1. Korinther 3,11 ("Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus"). Am 11. Dezember 1974 wurde Richtfest gefeiert und am 21. November im darauf folgenden Jahr die Kirche eingeweiht. Aus diesem Jubiläumsanlass kam nun als Festprediger kein Geringerer nach Schweinfurt als der höchste evangelische Würdenträger Bayerns: Landesbischof Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm.

Aus zwei Presseberichten von Hannes Helferich zitiert:

[...] Der Landesbischof brachte nach einer beeindruckenden Schilderung der Gräuel im Zweiten Weltkrieg sein Unverständnis dafür zum Ausdruck, dass Deutschland zum drittgrößten Waffenexporteur weltweit geworden ist und Waffenexporte auch in Länder auf Rekordhöhe angestiegen seien, in denen – uns heute selbstverständliche – Menschenrechtsstandards verletzt würden.

Mit einem schwungvollen „Grüß Gott“ hieß Pfarrer Wolfgang Weich die Gemeinde am Sonntag willkommen. Die Stadt war mit allen drei Bürgermeistern vertreten, viele Stadträte und wichtige lokale Vertreter der evangelischen Kirche waren unter den Gästen. Auch Betty Eckert die – damals 33 Jahre jung – bei der Grundsteinlegung dabei war, wie sie stolz berichtete.

[...] Drinnen war es mucksmäuschenstill, als Bedford-Strohm die Entstehung der Christusgemeinde 1946 eine „Konsequenz des Willens zum Leben“ nennt. Ihre Gründung sei Ausdruck der festen Bereitschaft zu einem Neuanfang gewesen. „Die Väter hatten saure Trauben gegessen, aber den Kindern sollten davon die Zähne nicht für alle Zeit stumpf geworden sein“, sagte er.

Der Landesbischof ging auf die Flucht ein, die viele auch nach Schweinfurt brachte. Und drückte seine Freude darüber aus, dass Deutschland zur Demokratie geworden sei, nicht ohne Fehler zwar, aber man könne sie klar ansprechen, öffentlich diskutieren. „Völker, die sich vernichten wollten, arbeiten heute friedlich zusammen“, so der Landesbischof. Ihn beunruhige aber, dass noch immer von deutschem Boden, von deutschen Waffen „Krieg ausgeht“, ohne Kriegserklärung und ohne sichtbaren Angriff, „nicht beabsichtigt, aber in Kauf genommen“. Für ihn stelle sich die Frage: Wie könne das sein in einem Land, das für sich einen der schärfsten Waffenexport-Kontrollstandards weltweit in Anspruch nimmt? In Anlehnung auf das zuvor verkündete Wort Gottes forderte der Landesbischof: „Kehrt um und kehrt Euch ab von allen euren Übertretungen, damit ihr nicht durch sie in Schuld verfallt“. [...]

Zwischen Gottesdienst und Gemeindefest im Freien legten die Verantwortlichen eine Gesprächsrunde mit dem Kirchenoberen unter der Überschrift „f.i.t. beim Energiesparen – Gegen Armut und für gutes Leben“.

f.i.t. steht dabei für „fördern, initiativ werden, teilhaben“ und ist ein Diakonie-Projekt zur Armutsprävention. In Schweinfurt bietet diese Energiespar-Beratung seit 2012 die Abteilung „Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit“ (KASA) des Diakonischen Werks an. Uwe Kraus ist der KASA-Leiter. [...}

Auslöser waren die vielen Haushalte, denen der Strom abgestellt wird. Sie konnten die Rechnungen mit teils auffällig hohem Kilowattverbrauch nicht mehr finanzieren. Nach Zahlen der Diakonie gab es 2012 in Schweinfurt in über 500 Haushalten Stromsperren, viermal so hoch waren die von den Stadtwerken verschickten Ankündigungen, dass eine Abschaltung droht. „Energiearmut ist eine Falle“, sagte Diakoniechef Jochen Keßler-Rosa bei der Kurzvorstellung des Projekts.

KASA hält mit „f.i.t.“ dagegen. Schirmherrin ist Renate Käser, die Landessynodalin aus Euerbach. Eine Mitarbeiterin, die von der Diakonie aus Eigenmitteln und Spenden bezahlt wird, berät Energieschuldner und schickt zum Energiecheck einen der mittlerweile 20 ehrenamtlichen Energieberater in die ratsuchenden Haushalte. Fast logisch ist, dass in die Energie-Schuldenfalle vorwiegend Hartz-IV-Empfänger und ältere Menschen tappen. Kraus bemängelte, dass im Regelsatz für Sozialhilfeempfänger „zu wenig für Strom drin ist“.

Einer der Energieberater ist Rolf Sixt, der einen Einblick in seine Arbeit gab. Bei einem ersten Hausbesuch werden relevante Daten per Checkliste erfasst, der Verbrauch aller Elektrogeräte gemessen. Dann folgt eine Beratung. Weil man sehr private Bereiche berührt, etwa nach dem Verhalten beim Wäschewaschen fragt oder wissen will, „wie gekocht wird“, müsse Vertrauen aufgebaut werden. Nach etwa einem halben Jahr werden unter anderem die Zählerstände kontrolliert und Empfehlungen herausgegeben, beispielsweise diesen oder jenen Stromfresser zu ersetzen.

„Das Potenzial an Einsparmöglichkeiten ist groß, wenn man die Leute richtig berät“, sagte Kraus und erwähnte hier besonders den Einsatz des Pioniers und jetzigen f.i.t.-Projektleiters Siegfried Fuchs. Werden die Ratschläge umgesetzt, so schätzt die Diakonie, spart der Betroffene um die 30 Prozent im Jahr oder in konkreten Zahlen 100 bis 400 Euro. [...]

Der Landesbischof war vom Projekt begeistert, weil es eine Lösung anbiete und die Möglichkeit biete, „das Leben eigenverantwortlich selbst in die Hand zu nehmen“. Zudem verbinde es die zwei wichtigen Themen „soziale Gerechtigkeit und Ökologie miteinander“. Bedford-Strohm forderte ein Festhalten am Ausbau der regenerativen Energien und kritisierte die Versuche, sie als zu teuer darzustellen. Ganz im Gegenteil sei es nötig, die Wirtschaft umzubauen und den Anteil der alternativen Energien behutsam zu erhöhen. Denn, so Bedford-Strohm: „Wenn es so weitergeht, dann brauchen wir 2030 eine zweite Erde, die haben wir nur nicht.“

(aus: Schweinfurter Tagblatt vom 7. und 8. Juli 2014, Fotos: Harry Walter)