PRESSESCHAU: Frauen auf der Flucht

Schweinfurterinnen zeigten Flagge gegen Gewalt und Unterdrückung

Der Moment des Fahne-Hissens mit der Schweinfurter Gleichstellungsbeauftragten Heide Wunder (2. v. rechts)

Schweinfurt, Mo. 27. Nov. 2017. "2015 mussten über 65 Millionen Menschen vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen.“ Am internationalen Aktionstag „Nein zu Gewalt an Frauen“ richtete die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Heide Wunder, den Blick auf „Frauen auf der Flucht“. Seit 17 Jahren hisst sie gemeinsam mit Vertreterinnen des Schweinfurter Frauenplenums, des Frauenhauses, der Dekanatsfrauen, dem Weißen Ring und des Ver.di Bezirksfrauenrates am Rückertbau eine Fahne mit dem Motto „frei leben – ohne Gewalt“.

[...] Wunder gab beeindruckende Zahlen zum Besten. Mindestens die Hälfte der Flüchtenden sind Frauen und Kinder, die in ihren Heimatländern Gewalt in den unterschiedlichsten Formen erlebt haben. Die Flucht mache Frauen nicht selten erneut zu Opfern von sexueller Gewalt und Machtmissbrauch. Laut einem Bericht von Amnesty International von 2016 üben nicht nur Schlepper, sondern auch Mitarbeiter von NGOs und UN-Schutzgruppen diese sexualisierte Gewalt aus. In Deutschland wurden 2016 insgesamt 722.370 Anträge auf Asyl gestellt, in erster Linie von Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. 34 Prozent dieser Anträge stellten Frauen.

"Und das sind nur die wenigen, die es bis Deutschland geschafft haben", erklärte Uta Konaté. Die Sozialpädagogin arbeitet für den Sozialdienst Katholischer Frauen mit Flüchtlingsfrauen. Sie berichtet aus ihren Erfahrungen. „Ich habe große Ehrfurcht vor diesen Frauen, die eine schwere Last auf ihren Schultern tragen“, betonte sie. Und sie weitete den Blick über die allgemeinen Fluchtgründe hinaus. Frauen fliehen nicht nur vor Krieg und Hunger, sondern auch vor Unterdrückung und Rechtlosigkeit. Sie fliehen vor häuslicher Gewalt durch ihre Ehemänner und Familien und nicht selten auch vor religiösen Fanatikern. Erschreckend sei, dass häusliche Gewalt in vielen Ländern gang und gäbe sei, beispielsweise in Tschetschenien und vielen Ländern der russischen Föderation. Auch reiche der Arm der Familien oft bis nach Deutschland, so dass die Frauen auch hier noch Angst um ihr Leben hätten. Frauen aus Äthiopien, Somalia und Ostafrika seien zudem fast alle von Genitalverstümmelungen betroffen.

Damit die Flüchtlingsfrauen, die es bis nach Deutschland geschafft haben, wenigstens hier angstfrei leben können, brauche es einiges mehr als bisher, so Wunder. Sie formulierte die Forderungen an die Politik: Auch in Unterfranken müsse es eine Unterkunft nur für allein reisende, gefährdete Flüchtlingsfrauen geben. Sie bräuchten einen besseren Zugang zu Beratungsstellen und Frauenhäusern. Außerdem fehlten Dolmetscherinnen, die vertrauenswürdig seien und auch kurzfristig zur Verfügung stünden. Den Flüchtlingsfrauen sollten eigene Sprachkurse mit Kundenbetreuung und der Möglichkeit einer psychosozialen Betreuung angeboten werden.

Als Zeichen dafür, dass allen Frauen weltweit ein freies und selbstbestimmtes Leben zusteht, zeigten die ca. 40 anwesenden Frauen und Männer dann buchstäblich Flagge. Gemeinsam hissten sie die Fahne „frei leben ohne Gewalt“.

In der Johanniskirche trafen sich die Beteiligten anschließend zu einer Andacht und trugen ihre Bitten vor Gott.

Quelle: Schweinfurter Tagblatt vom 30.11.17, S. 27; Text: Ursula Lux, Fotos: B. Bergler
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