Gott vertauschte die Welt mit sich selbst

Liebe Hörerinnen und Hörer,

Diese Nachricht hat unsere Welt verändert. „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst.“ Vor 2000 Jahren hat sich ein Mann, namens Paulus auf den Weg gemacht. Von Asien nach Europa, um diese Nachricht zu verbreiten. Sie trifft die Sehnsucht der Menschen. Mit dieser Nachricht hat sich das Christentum in der Welt ausgebreitet.
Denn sie ist alles andere als selbstverständlich.

Wenn wir heute die Zeitung aufschlagen oder Nachrichten über’s Netz empfangen dann schreit uns die unversöhnte Welt geradezu an. Hasskommentare gegen Andersdenkende, Hass auf Politiker, auf Migranten, Hass auf Polizei und sogar Notarztteams in Deutschland. Und darüber hinaus, Länder, die sich voneinander abgrenzen, die sich unversöhnt gegenüberstehen, die Krieg führen mit Worten und mit der Tat. Wer soll das bitte alles versöhnen? 

Wie schwierig das ist, sehen wir ja schon in unseren Familien. Wie oft stehen sich da unversöhnte Menschen gegenüber. Die gegenseitigen Verletzungen liegen tief, dass man gar keinen Anfang mehr findet. Und dann kommt es vor, dass eine Mutter nicht mal auf dem Sterbebett mehr ihren Sohn sehen will. Schlimm - ein unversöhntes Sterben, aber mindestens genauso schlimm ist ein unversöhntes Zurückbleiben. Doch so ähnlich habe ich es immer wieder erlebt. Wieso müssen wir das beinahe zwanghaft uns immer wieder antun? Leiden werden am Ende alle Beteiligten. 
Die Kernnachricht des Christentums trifft noch immer auf eine unversöhnliche Welt. Eben auf uns unversöhnliche Menschen. Ist die Versöhnung von Gott her nur eine Illusion, der selbst wir Christen nichts mehr zutrauen? Schauen wir uns doch mal an, was den Verfasser dieses Satzes, Paulus, so begeistert hat, dass er in die Welt aufbricht, um es allen weiterzugeben. 
Wenn man auf die Grundbedeutung des griechischen Wortes für „versöhnen“ zurückgeht, könnte der Satz auch lauten: Gott verwechselte oder vertauschte die Welt mit sich selbst. Und zwar durch diesen Christus. 

Es gibt den indianischen Spruch: Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist.

Also mal direkt übertragen. Gott selbst läuft dreißig Jahre in dem Leben seines Sohnes in den Mokassins der Menschen über die Erde, aber auch umgekehrt, er lässt ihnen Platz an seiner Stelle. Jesus stirbt also in unseren Mokassins mit Hasskommentaren versehen am Kreuz, damit wir als versöhnte Kinder Gottes an seiner Stelle weiterleben, neu leben... Das ist doch großartig! Wir haben die Möglichkeit, als versöhnte Menschen zu leben. Auch in unserem Miteinander. Also nicht: „Mia san mia“, sondern „mia san ihr“. 

So hat Gott durch Christus einen Neuanfang gesetzt. Einen, der uns ernst nimmt und uns in die Verantwortung ruft: Lasst euch versöhnen mit Gott, damit ihr zu seinen Botschaftern werdet. Botschafter der Versöhnung. Das sollt ihr sein, als Christen. Und nun nicht mit bloßen Appellen an andere, sondern indem ihr selbst euch einlasst auf das Tauschgeschäft, das Gott unter uns begonnen und in Kraft gesetzt hat. Also bevor du über einen anderen urteilst, dich verbittert zurückziehst, oder böse Kommentare von dir gibst, zwinge dich einmal, dich eine Zeitlang an seine Stelle zu versetzen. Und dann sieh, ob sich etwas verändert. Ob du dich veränderst. Das wäre ein Anfang. Ein Ernstnehmen von dem, wovon wir Christen leben und worauf die Welt wartet: Versöhnung. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine unbeschwerte Urlaubs- und Sommerzeit!

Ihre Pfarrerin Kerstin Vocke

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