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Wie alles anfing: (s.a. Quizfragen)
1. Als Schweinfurt evangelisch wurde
"Erste Hinweise auf ein Vordringen reformatorischen Gedankengutes in Schweinfurt geben 1522 die Widmung des 'Leyhenspiegel', eines Traktats des Reichsritters Adam von Schaumberg, an den Schweinfurter Bürgermeister Georg Holloch, als einem 'Anhänger der wahren, unzerstörlichen, ewig bleibenden evangelischen Lehre' ..., schließlich die erste deutsche Taufe am 4. April 1525.
Der zur Vorbereitung des Nürnberger Reichstages 1532 ... in Schweinfurt zusammengetretene Fürstentag brachte für die Stadt die Vorentscheidung zur Einführung der Reformation. Der im Gefolge des sächsischen Kurprinzen angereiste Hofprediger Georg Spalatin hielt unter großem Zulauf der Bevölkerung die ersten protestantischen Gottesdienste in Schweinfurt ab. ...
[Erg.: Die erste protestantische Predigt in der freien Reichsstadt wurde 1532 in St. Salvator gehalten.]
Aber erst die Regensburger Deklaration des Kaisers vom 29. Juli 1541 scheint den Weg zur Reformation endgültig geebnet zu haben. Ende März 1542 erklärte sich Landgraf Philipp von Hessen bereit, Reichsvogtei und Schutzherrschaft zu übernehmen, am 11. Juni 1542 hielt Sutellius seine erste öffentliche Predigt in Schweinfurt, am 21. September 1542 führte ihn der Rat in die Pfarrkirche St. Johannis ein ...
[Der Göttinger Superintendent Johannes Sutellius (1504-1575), der vom Landgrafen nach Schweinfurt abgeordnet wurde, gilt als der Reformator Schweinfurts!]
Nach der Niederlage der protestantischen Stände im Schmalkaldischen Krieg und der Gefangennahme Landgraf Philipps durch den Kaiser am 19. Juni 1547 wählte Schweinfurt den protestantischen Kurfürsten Friedrich II. von der Pfalz, der dem Bund nicht angehört hatte, zum Schutzherrn und Reichsvogt. ...
Die Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 sicherten auch in Schweinfurt den Bestand der Confessio Augustana."
(Aus: Uwe Müller, "Die Einführung der Reformation in Schweinfurt", in: "Hatten zum Wort Verlangen". 450 Jahre Evangelische Kirche in Schweinfurt, Schweinfurt 1992, S. 10f)
Die Johanniskirche gegen Ende des 30-jährigen Krieges
2. Gegenreformation und Dreißigjähriger Krieg
"Die Gegenreformation war in Schweinfurt nicht spurlos vorübergegangen. Der Würzburgische Bischof Julius Echter von Mespelbrunn begann 1585 mit der Vertreibung der Protestanten aus dem Gebiet seines Bistums. Viele suchten da Zuflucht in der nahen Reichsstadt Schweinfurt. Hier wurden sie gerne aufgenommen. Das kirchliche Leben empfing durch diese neuen Gemeindeglieder starke Anregungen. Die Johanniskirche drohte zu klein zu werden. Julius Echter von Mespelbrunn suchte der Stadt Schwierigkeiten zu bereiten, wo er nur konnte, aber ohne Erfolg. Die Schweinfurter hielten am evangelischen Glauben fest.
Im 30jährigen Krieg wurde unsere Stadt wohl in den Strom der Ereignisse mit hineingerissen, aber es rettete Freiheit und Selbständigkeit durch den Krieg hindurch. Dreimal kehrte Gustav Adolf in Schweinfurt ein. Große Schenkungen hat er der Stadt gemacht, aus deren Einkünften nach seiner Bestimmung das Gymnasium errichtet wurde, Gott zu Ehren und der studierenden Jugend zum Besten. ...
Noch manchen Kampf hatte Schweinfurt zu bestehen um seines evangelischen Glaubens willen. Aber es hat am Evangelium festgehalten und es blieb der Hort des Protestantismus im unteren Franken auch in den kommenden Jahrhunderten."
(Aus: Wegweiser durch das evangelische Schweinfurt, Schweinfurt 1931, S. 7f)
3. Die Historie aus katholischer Sicht
In diesem Jahr 2006 werden die katholischen Gemeinden Schweinfurts ganz groß das 200. Jubiläum feiern, seit nach der Reformation in dieser ehemals freien Reichsstadt wieder eine katholische Pfarrei gegründet wurde. Dies gestattete - nach Übergang der Stadt ins Königreich Bayern (s.u. 4.) - der bayerische König im Rahmen des Toleranzediktes mit Schreiben vom 18. April 1806. Die Katholiken hielten ihre Gottesdienste zunächst in der Spitalkirche zum Heiligen Geist ab, ehe vor 104 Jahren die Heilig-Geist-Kirche errichtet wurde. Sie ist sozusagen die Mutterpfarrei der anderen 8 kath. Gemeinden. Ihr genau gegenüber in der Schultesstraße befindet sich das kath. Dekanatszentrum.
Die katholische Heilig-Geist-Kirche heute
Dekan Stefan Mai sagte süffisant (laut Pressebericht): Wenn man bedenke, dass davor kein Katholik das Recht hatte, in Schweinfurt zu übernachten, habe sich zwischenzeitlich doch enorm viel im Zusammenleben der Konfessionen zum Positiven hin geändert.
4. Schweinfurt und die Ev.-luth. Kirche in Bayern
"Das Entstehen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ist auf das engste verbunden mit der Begründung des modernen bayerischen Staates im Zeitalter Napoleons. ...
Als Entschädigung für die an Frankreich abgetretenen linksrheinischen Gebiete erhielt Bayern hier durch den Reichsdeputationshauptschluß vom 25. Februar 1803 das evangelische Schweinfurt, die einzige freie Reichsstadt im heutigen Unterfranken, mit ihrem Landgebiet, sowie die säkularisierten Hochstifte Würzburg und Bamberg mit einer ganzen Reihe evangelischer Gemeinden. ...
Im offiziellen Sprachgebrauch wurde für dieses komplexe kirchliche Gebilde zunächst der Ausdruck 'Protestantische Gesamtgemeinde' mit Rücksicht auf die katholische Kirche verwendet. Auf Antrag der beiden Generalsynoden in Ansbach und Bayreuth wurde dann mit Entschließung vom 28. Oktover 1824 die Bezeichnung 'Protestantische Kirche' gestattet. Erst nach Ende des landesherrlichen Kirchenregimentes erscheint in der Kirchenverfassung von 1921 die 'Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern rechts des Rheins', eine Bezeichnung, die abgesehen von dem letzten Zusatz, ... bis heute dem amtlichen Gebrauch entspricht. ...
Waren durch das Toleranzedikt vom 26. August 1801 die Ansiedlung und der Erwerb der vollen Bürgerrechte für Protestanten sichergestellt, so bildete das Religionsedikt vom 10. Januar 1803 die Basis für das neue staatskirchenrechtliche System. Bestätigt wurde die konfessionelle Gleichstellung der drei bereits im Westfälischen Frieden von 1648 anerkannten Konfessionen (römisch-katholisch, lutherisch und reformiert) durch ein am 24. März 1809 erlassenes weiteres Religionsedikt."
(Aus: Gerhard Hausmann, "Die Evangelische Kirche", in: Unterfränkische Geschichte, Bd. 5/2, Würzburg 2002, S. 53f)
5. Wie alles (fast) endete
"Die Luftangriffe setzten in Bayern in verstärktem Maße im Jahr 1942 ein; in Unterfranken blieben die kirchlichen Gebäude bis zum August 1943 verschont. Kam es in diesem Monat an der Johanniskirche in Schweinfurt zu ersten leichten Beschädigungen, so wurde sie am 24./25. Februar 1944 so schwer getroffen, daß sie während des ganzen Krieges nicht mehr benutzt werden konnte. Schwere Schäden trugen auch die drei Pfarrhäuser von St. Johannis davon, dazu das Altenheim, der Kindergarten, das Gemeindehaus und das Schülerheim. Im April 1944 wurden in dieser Industriestadt die Salvatorkirche völlig zerstört und die Gustav-Adolf-Kirche sowie das dazu gehörige Gemeindehaus schwer beschädigt, Das bereits schwer getroffene Dekanatsgebäude wurde nun total vernichtet. Im Juli 1944 brannte der Betsaal nieder, der als Ersatz für die schwer zerstörte Kirche St. Johannis diente, ebenso wie das evangelische Bürgerheim und das Schwesternhaus. Auch in Schweinfurt-Oberndorf war das Pfarrhaus nach einem Luftangriff im Juli 1944 nicht mehr bewohnbar, das Gemeindehaus im Oktober dieses Jahres schwer beschädigt. ...
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs mußte nun auch der kirchliche Wiederaufbau in Angriff genommen werden ... In Schweinfurt konnte die Dekanatskirche St. Johannis 1951 in Dienst genommen werden. Die Kirche St. Salvator wurde 1953 in ihrer historischen Baugestalt bis auf den Turmhelm wieder hergestellt. Schon in den ersten Nachkriegsjahren notdürftig instandgesetzt, dauerte der Wiederaufbau der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche, verbunden mit einem neuen Gemeindehaus, bis zum Jahr 1956. ..."
(Aus: Gerhard Hausmann, a.a.O., S. 79f.82)